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Loveparade RIP

Paradise lost - die letzten Stunden der letzten Loveparade.Et hätt noch ewaa joot jejange-so sagt der kölsche Volksmund.Diesmal nicht, denn am Samstag, den 24.7.2010 fiel aus dem Off die Sonne vom Himmel. Ein traumhafter Tag, der sich in einen blutigen Albtraum verwandelte. 20 Tote, über 500 Verletzte, Sirenen, eine Autobahn als Massenlazarett. Verderben, Leid, vereinzelte Schlägereien. Was ist denn jetzt bitte gebacken? Meine 7. Parade versinkt im Armageddon und Menschen sterben oder werden verletzt. Unklar, wo meine Bande ist, die Pressemeute zieht die Köpfe ein und lässt die Laptops glühen. Pocher ist jetzt weg.Alte Scheiße, lass das alles bitte nicht wahr sein. Aber es ist schlimmer.1000 Gedanken und Erinnerungen schwirren durch meinen Kopf.Die erste Parade 1996, was für ein naiver, harmloser Spaß. Die Straße des 17. Juni gehört uns. Es ist genug Platz da, die Ballermanntouris sind weit weg. “Born slippy“ rockt den großen Stern. Unvergesslich. Die Welt ist die Unsrige.Die darauf folgenden Paraden werden immer größer. Zwar sind jetzt Klassensprecherfressen von der „Jungen Union“ auf den Floats oder Big-Brother-Nappsülzen. Manchmal wird auch ein veritabler Sahne-Western auf oder abseits der Parade gedreht.Die großen Momente, die immer im Kopf bleiben, sind die Essenz der Loveparade.Euphorie, Frieden, Lebenslust, Hedonismus, für viele banal, aber wie es Campino einmal formulierte: “Wer wirklich Bock auf LEBEN hat, der muß dort hin, der muß auf die Loveparade.“Polizisten, die sich mit Supersoakern Wasserschlachten mit den Ravern liefern, breakbeat-tanzende Omas. Chillen im Tiergarten. Tanzen, unterhalb des Förderturms der Zeche Zollverein. Bis der nächste Morgen graute.Raver, die, wie in Essen auf den Balkons der Anwohner tanzen, und mit letzteren, die ebenfalls tanzen, Söhnlein Brilliant vernichten. Loveparade.Afterpartys, die um 9 Uhr morgens enden, hunderttausende, kreischende Leute, die nach dem langen Break den gnadenlosen Beat abfeiern. Positive Anarchie. Ohne Aussage.Autobahnstaus Richtung Berlin, in denen plötzlich auf der Bahn getanzt wird und Raver auf Dächern von alten Ford Transits die Arme in die Luft reißen…..schön wars.In Essen fehlt Mottes Rede auf keinen Fall. Scheiß auf die Message. Rainer Schaller verpasste Essen und uns eine gigantische Spaßspritze-und alles ging gut.Viel Berlin fließt ein, die Stadt kann stolz darauf sein. Es schien, der Umzug ist geglückt. Einer der schönsten Tage, meiner persönlichen Ruhrgebietsgeschichte.Dortmund wird der erste Warnschuss. Obwohl eine ganze gesperrte Bundesstraße in der Nähe ist, wird es bei der Abschlusskundgebung hinter der Westfalenhalle schwer ungemütlich.Der Autor samt Freund Lars geraten in eine heftige Schubserei, in der ein Typ anfängt durchzudrehen. Mein damaliger Gedanke: “Entweder Prellungen oder Tod!“Gerade noch in den VIP-Bereich gerettet (worden! Danke nochmals, liebe Ina!!).Puh. Noch ein paar Leute mehr auf dem Platz, dann gibt es hier gleich Panhas am Christbaum. Und durch Jungs wie Moby und Armin van Buuren schieben immer mehr Leute nach.Wie gesagt, die Kleinigkeit der gesperrten B1 befand sich gottlob in der Nähe. Kein Abgrund, ein Nadelöhr, dass gerade noch durchlässig war. Alles schon auf Kante genäht, aber ohne große Dramen. Dafür mit Underworld-Konzert.Den Ausfall von der Bochumer Parade nicht betrauert. Essen kann ja eh nicht getoppt werden. Und irgendwann beschlossen, wenn die Duisburger Loveparade stattfindet, dort nur noch mit Presseausweis und Akkreditierung zu erscheinen. Besser.Gesagt getan. Große Freude, bei meiner Liebsten und mir. Die Akkreditierung eine Nacht vor dem Event zusammengeholpert. Bingo! Wir wären dann dabei.Nicht groß auf den Geländeplan geschaut. Drauf über den komfortablen Presseweg und hinein in einen scheinbar perfekten Tag. Unser Chefredakteur Andre hat kinderfrei und ist mit dabei. Er entert das „CusCus“Float und strahlt, die Spiegelreflex im Anschlag. Schöne, unschuldige, fröhliche Bilder werden entstehen. Von der Stimmung her lässt Essen anno 2007 grüßen.Treffen alte Freunde, mit denen es jetzt gemeinsam abgeht. Weitere Freunde sind im Anmarsch.Schwätzchen mit Schaller, Pleitgen und Tillmann Uhrmacher. Blendende Laune allerorten.Ersterer ist blendend gelaunt. Naiv und komplett surreal mutet jetzt gerade an, dass sowohl ich, als auch Schaller im gemeinsamen Gespräch 2 Stunden vor dem Desaster in kompletter Unkenntnis der brisanten Lage über Essen schwärmen. Ich bin zu diesem Zeitpunkt noch in kompletter Naivität gefangen.Da drücken ein paar hunderttausend Leute gegen die Zäune und gleich geht die Abschlusskundgebung mit Tiesto los.Noch immer komplette Ahnungslosigkeit vom Ernst der Lage. Das Gelände scheint für die Mickymausparade ausreichend dimensioniert zu sein.Kein Gedanke an den Tunnel (der einzige Ein-und Ausgang) und an die Security, die jetzt gerade im Pressebereich überrannt wird.Tiesto spielt „Dance for life“und die Crowd feiert.Wenige Meter dahinter sterben gerade erste Menschen oder werden verletzt. Die Trucks stehen. Immer noch keinen blassen Schimmer. Wir tanzen !!!Monika Kruse und Tiefschwarz spielen knackigen Sound, langsam wird es voller. Die Trucks stehen noch immer.Fassungslose Gesichter auf einmal bei Thomas Bug und Sabine Heinrich von Einslive, die hinter uns, für den WDR die Übertragung hosten. Was ist denn da los?Hektik bei den Medienleuten. Dann der Telefonanruf meiner alten Freundin Ina. Laut WDR bereits jetzt 10 Tote, zig Verletzte. Nach einer weiteren SMS lese ich von bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Bloß weg hier. Die Musik und die Show gehen weiter. Gottlob, weiß das hier noch nicht jeder.Ein paar Meter Luftlinie weiter passieren gerade Dinge, die zu grauenhaft sind, um sie sich vorstellen zu können. Die ganze Truppe ist bis auf mich und meine Freundin verstreut oder noch im Anmarsch. Mein Freund Axel lernt im Zug von Essen nach Duisburg 2 Jungs kennen, die er später auf Fotos im Netz wiedersieht. Da sind sie dann mit Alufolie bedeckt und tot.Ein junger Kerl will einem blassen, sitzenden Burschen Wasser reichen, doch der ist schon tot. Im Gedränge sieht ein 17jähriger, wie neben ihm ein Mädchen totgequetscht wird.Es fallen Leute die Treppe an der Rampe herunter, manche aus mehreren Metern Höhe, direkt in die Menge. Andere schaffen die Treppe an der Rampe nur, indem sie über andere drübersteigen. Menschen, die sich in Fluchttiere verwandeln. Was da gerade passiert, ist in unseren Gefilden ohne Beispiel, für die Technoszene ohnehin. Es wird gestorben und gelitten und es werden Fehlentscheidungen getroffen-massenhaft.Grausige Szenen, während der Sound kaum runtergedreht wird und ein Großteil der Crowd ausgelassen weitertanzt. Ein Arbeitskollege erzählt mir später, das ihn ein Polizist, als er über die Mauer klettern will, wieder in die Menschenmenge wirft.Ein mir bekannter Securitymann erzählt von der Erstürmung des Presseeingangs und wie die Leute ihn überrannt haben, so dass er „auf dem Boden herumgekugelt ist“. Ein anderer Mann mit Funkgerät verliert bei einem alkoholisierten Streithansel die Nerven und schlägt ihn vor unseren Augen mehrmals mit dem Kopf in ein Absperrgitter. Ok, jetzt gilt hier Alarmstufe rot, die Nerven aller Offiziellen liegen blank. Hier wird heute schlimme Ruhrgebietsgeschichte geschrieben, soviel ist sicher. Martinshörner überall, Hubschrauber in der Luft.Wir beschließen, schleunigst die Biege zu machen, werden aber nicht vom Gelände gelassen. Eine nette Mitarbeiterin weißt uns unter der Hand einen Weg heraus und wünscht einen sicheren Heimweg. Wir verlassen endlich das Gelände und bringen uns in Sicherheit bei Freunden, die ein paar Straßen entfernt wohnen. Noch immer ist uns nicht klar, was da genau passiert ist.Sie kommen gerade selbst aus dem Tunnel an der Karl-Lehr-Straße und haben es überlebt unter Verlust der Schuhe unserer Freundin und unter übermächtigem Einsatz ihres Lebensgefährten. Niemand hat einen Kratzer!Während ein paar Meter weiter im Akkord reanimiert wird und die lokalen Krankenhäuser alle verfügbaren Mitarbeiter und Ärzte zusammentrommeln.Nun sehen wir die Katastrophe erstmals im Fernsehen und das ganze Grauen bekommt Bilder. Noch immer ist der Kopf nicht sortiert. Langsam wird klar, daß es allen Freunden und Bekannten gut geht. Die Geschichte nimmt in den Medien Fahrt auf. Wir beschließen, in Begleitung unserer ortskundigen Freunde, zum Innenhafen zu laufen, wo unser Auto steht.Die Hunde unserer Wegbegleiter sind dabei. Wir konzentrieren uns auf dem kompletten Weg nur auf sie.Wir umarmen uns zum Abschied und verlassen Duisburg Richtung Zuhause.Zig Anrufe und SMS, ob alles ok wäre werden beantwortet.Zuhaus kommt noch ein Augenzeuge und Freund zu Besuch, der ein Beruhigungsgläschen mittrinkt. Man muß darüber reden, es ist alles einfach zu krass. Dann sitze ich schließlich alleine im Garten..Bei einer entfernten Outdoorparty wird „Amazing Grace“von einem Dudelsackorchester gespielt und ich bekomme feuchte Augen, ohne jegliche Ironie. Ich trinke mir noch einen, um schlafen zu können.Am anderen Tag gibt es explizite Bilder und Reportagen zur größten Katastrophe der Duisburger Nachkriegsgeschichte und es wird klar, das man froh sein kann, dass die in zumindestens diesem Fall besonnenen Veranstalter keinen Komplettabbruch gewagt haben. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn jemand den Stecker gezogen hätte. Ich fange an zu schwitzen.Die Bilder, speziell die der Amateurfilmer, werden im Verlaufe des Tages immer schlimmer…..ich verlasse den Platz vor dem Fernseher. Es reicht. Die erbärmliche Pressekonferenz, lässt in mir Übelkeit hochsteigen:“Das Sicherheitskonzept hat gegriffen“.„Meiner Meinung handelte es sich nicht um eine Massenpanik“.Bin noch zu müde, um die Glotze durchs geschlossene Fenster zu werfen. Kann es wirklich sein, das Profitgier und Geltungssucht die Birnen der Verantwortlichen so verklebt haben?Durch irgendwas muss Herr Sauerland ja Oberbürgermeister geworden sein- und Rainer Schaller zum Multimillionär. Gedanken kreisen !!!Es fängt kräftig an zu stinken. Hier endet die Geschichte der Loveparade in einem kaum vorstellbaren Blutbad.Verursacht von szenefremden Bürokratenpflaumen, die allen Ernstes glaubten, man könne ca. eine Million Menschen durch einen Tunnel bugsieren.Originalkommentar von meinem Freund Lars:„Tja Pleiten, Pech & Pannen satt, wenn Provinzfürsten „große, weite Welt“ spielen wollen ... soviel zum Thema Ruhr 2010, durch das Manöver ist jeglicher Imagegewinn für´s Revier mit einem Schlag dahin und das hauptsächlich, weil irgendwelche profitgeilen Arschgeigen ein ehemaliges Demonstrationsevent umzäunen müssen, um noch 3 LKW Ladungen Bier extra zu verkaufen – herzlichen Glückwunsch !! „Ist ja immer alles gut gegangen.Dieser Fall steht gerade erst am Anfang und es wird, wenn man die Pressekonferenz der Verantwortlichen gesehen hat, noch hohe Wellen schlagen.Keine Ahnung wie das alles weitergeht und ob die Verantwortlichen an den Schaltstellen lächerliche Geldstrafen bekommen oder wegen hundertfacher Körperverletzung mit 20 facher Todesfolge belangt werden.Die Toten wachen nicht mehr davon auf, den Verletzten hilft es nicht bei der Bewältigung der Traumen oder ihrer Genesung- in der Organisation wurde geschlampt bis sich die Balken biegen- mit bekannten Folgen. Die uns alle fassungslos hinterlassen.Es ist doch immer alles gut gegangen.Wir, die Redaktion der Piqure trauern um die Toten und wünschen ihren Angehörigen alle Kraft, um dieses harte Los zu bewältigen. Wir wünschen den Verletzten in den Krankenhäusern eine gute Genesung.. Auf das ihr das alle packt und so gut wie möglich bewältigen könnt.Auf das den Verantwortlichen Beine, speziell der Stadt Duisburg gemacht werden und sie anfangen zu sprechen…..and justice for all !!Und sie von der Justiz hart bestraft werden für ihren Zynismus, jetzt schon 20 Familien um ihre Toten weinen zu lassen.Da ich diesen Fall weiterverfolgen werde, wird man hier an dieser Stelle häufiger von mir Fußnoten zum Verlauf der wahrscheinlich langwierigen Aufarbeitung lesen.Und ich muß mich bei Motte entschuldigen.„Love rules“ skandierte er bei seiner letzten Loveparade-Rede.Und das, man konnte es damals selbst vorm Fernseher erleben, meinte er ernst.Mehr wollte der eigentlich gar nicht. Nur mal so Richtung Lopavent.Friede Freude Eierkuchen.Rest in Peace, ihr, die ihr jetzt im Himmel seit.Rest in Peace, meine gute alte LoveparadeText:O. Korn