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RIP

R.I.P Tillmann UhrmacherEin stinknormaler Abend vor dem PC. Lese mir die Playlist von Armin und möchte gern wissen, was für ein Classic-Schmankerl er ans Ende seines Sets gesetzt hat. Lese hocherfreut „On the run“ und damit einen meiner allerliebsten Trancetracks aller Zeiten. Doch Millisekunden später gefriert mein Grinsen.Ein Satz in Klammern der Playlist, der wie ein Schlag direkt aufs Maul reinkommt.( IN MEMORY OF TILLMANN UHRMACHER)Bitte was???Hektisch seinen Namen bei Google News reingetippt und Gewissheit erfahren. Einer der größten Elektronik-Aktivisten, Radiogott, Alleswisser, Entertainer, Tranceliebhaber, FCK-Stadionsprecher, Maximal-Guru, Supersympath…und jetzt auf einmal nicht mehr da. Nicht zu fassen.Rückblende in die späten Achtziger. Da schiebt er als Praktikant sein erstes Projekt „Mysterious Art“ an. Und landet mit „das Omen“ einen veritablen Welthit. Die Technoszene erlebt ihre erste Kommerzialisierung und Uhrmacher surft auf dieser Welle, was sich als Volltreffer erweist. Es spült ihn ins Vorprogramm von Madonna und im Studio arbeitet er mit Männern wie Harold Faltermeyer oder Hollywood -Komponist Hans Zimmer.Ein Jahr später hostet er eine der ersten reinen Dancesendungen im deutschen Radio.“Maximal“ ist die Blaupause für weitere erfolgreiche Danceformate wie „HR 3 Clubnight“ oder dem „Einslive-Partyservice“.Bei Tillmann gibt sich die aufstrebende Dance-Elite die Klinke in die Hand. Nebenbei pusht er gegen alle Widerstände einen unbekannten, schwedischen Zahnarzt, der Pop mit Ragga mixt. Dr.Alban verkauft Millionen Platten. Doch Tillmann richtet sich in der boomenden Technoszene häuslich ein und gibt bei Maximal über ein Jahrzehnt den Beobachter, den unermüdlich plaudernden Alleskönner, die Geschmacksinstanz für gute Dancemusik, egal welcher Sparte. Nicht immer passen die Übergänge im Mix aber das stört niemanden.Herz und Seele überlagern seine technischen Schwächen beiweitem.Selbst Leute, die mit Techno nichts am Hut haben, fühlen sich von ihm großartig unterhalten und werden selbst zu Fans der Materie, da Tillmann Uhrmacher jeden Freitag aufs Neue beweist, das elektronische Musik kein seelenloses Geknüppel ist.Mit ihm am Mikro ist man mitten in der Szene. Unterhaltungen mit anderen DJs oder Szeneaktivisten muten teilweise privat an. Es wird diskutiert und geblödelt, bis zum Gehtnichtmehr. Manchmal auch eine gute halbe Stunde am Stück. Egal, wir haben es hier mit dem Gegenentwurf zum enthirnten Formatradio zu tun, welches gerade dazu ansetzt, die restliche Radiolandschaft bis heute komplett zu versauen.Gegen riesige Zuhörerproteste kegelt die Schlagerbude RPR plötzlich „Maximal“aus dem Programm.Dieses Radiojuwel wird daraufhin von Sunshine live übernommen und dort das Flagschiff des kompletten Programms. Er leitet mit seiner sonoren Stimme die Wochenenden ein, noch immer gibt sich die DJ-Weltelite die Klinke in die Hand. Seine Sondersendungen von der Nature One werden legendär. Zwischendurch steigt er selbst hinter die Decks. Sein Set 2003 ist seit 8 Jahren als eine der wüstesten Rasereien meiner Partygeschichte auf meiner Matritze abgespeichert. Es passiert auch schonmal, das er einen seiner Gigs mit „Ace of spades“ von Motörhead einleitet. Ein Berserker, dem es die Leute auch nicht übel nehmen, wenn er volltrunken erst das Set und dann den CD-Player ruiniert. Man weiß nie, was kommt, wenn er auftritt. Außer das es spektakulär wird.Andersherum bin ich Jahre später Zeuge einer der schönsten und gefühlvollsten Radiosendungen ever, nämlich zu dem Zeitpunkt, als Marc Spoon stirbt.Technoheads können auch ganz leise und als am Ende dieser Sendung das berühmte „Stella“ von Jam and Spoon läuft, kann man den Spirit der Szene und ihre Emotionalität fast durch den Äther greifen. Sehe ihn beim Abschiedsset von Dag auf der Nature, wie er am Bühnenrand seinem alten Frankfurter Kumpel zusieht. Und wahrscheinlich dort schon weiß, dass seine Zeit auf der ganz großen Bühne so langsam vorbei ist. Er bekommt ja auch nur noch die kleinen Stages und nicht mehr die Main.Dann verschwindet Tillmann einige Zeit von meinem persönlichen Schirm.Ich treffe ihn im letzten Jahr persönlich auf der Loveparade, eine kurze Zeit, bevor die Sonne in Duisburg vom Himmel fällt. Er steht im Backstage. Irgendwie ist seine kleiderschrankmäßige Präsenz verschwunden. Wir quatschen über meine Lieblingssendung von ihm.Die, in der er die schlimmsten Plattenbemusterungen der Woche kurz und schlechtgelaunt in der Pfeife raucht und nach „ich war noch niemals in New York“im Schlumpftechnostyle den Stapel von Schrott-CDs unter Gebrüll durchs Studio pfeffert. Er lädt mich ein, ihn in der nächsten Woche an den Decks auf der Nature zu besuchen. Einfach ein netter Kerl, der Tille.Der arme Kerl wird den schlimmsten Tag seiner Musikerkarriere erleben, wie wir alle. Nicht nur, weil er vorher mit Olli Pocher für die Bild von der Parade berichten musste...Ich sehe ihn in der nächsten Woche wieder, allerdings nur am Ü-Wagen von Sunshine live, wo er mit seinen Kollegen und Freunden die letzte Woche aufarbeitet.Das Glück ist ihm nicht hold. Den 20.Geburtstag seines Babys „Maximal“ kann und will er nicht feiern, oder er kann es mangels Background nicht.Im März fährt er die letzte „Maximal“-Übertragung, dann wird er krankgeschrieben und taucht ab. Und nun die Nachricht von seinem Tod.Fakt ist, das er sich für unsere Szene komplett aufgerieben hat. Sich Nacht für Nacht um die Ohren geschlagen hat, um seinen Fans und der Technocommunity Freude zu bereiten und das immer wieder aufs Neue. Mit Sicherheit wird dieses doch recht brutale Nachtleben seinen Tribut mitgefordert haben, aber das wäre jetzt nur Geschwätz.Er, der freundliche, riesige und allwissende Aktivist, der Legionen von Menschen die Liebe zur elektronischen Musik geschenkt hat, ist von uns gegangen.Sein Verlust für die Elektronikszene und die deutsche Radiolandschaft ist jetzt noch überhaupt nicht zu überblicken.In einer Welt voller glattgeleckter Medienheinis war er der Charakterkopf, dem man abnahm, das er sein Medium, das Radio und die Musik mit Haut und Haaren liebte.Ich danke ihm, für die schöne Zeit und die vielen Gänsehäute, die er mir und meinen Freunden bescherte. Zum Schluss ein Zitat von ihm, welches er bei einem Gig ins Mikro sprach:“Die Musik die wir lieben und für die wir leben”Besser konnte er es nicht auf den Punkt bringen.Rave on, Tillmann. Was werden wir dich vermissen…Text: Oliver KornHektik bei den Medienleuten. Text:Oliver Korn